Aus der Geschichte Hövers

Vortrag von Marianne Grefe am 2. September 1993

Höver, in früheren Jahren Hoverde, Höverden und Höber genannt, soll nach der herkömmlichen Auffassung an Wald erinnern. Höver gehörte zu den 14 Dörfern des „Großen Freien“. Das Ortswappen, drei Eichenblätter auf goldenem Grund unter dem Löwen der „Freien“ folgt dieser Anschauung. Feststeht, dass die Gemarkung Höver, ebenso wie die benachbarten Orte, sehr waldreich war. Eine alte Überlieferung berichtet, dass damals ein Eichhörnchen von hannover bis Braunschweig durch die Wipfel der Bäume springen konnte, ohne den Boden berühren zu müssen.
Im Jahr 1360 wurde Höver erstmals urkundlich erwähnt. Im 14. und 15. Jahrhundert wird der Ort wiederholt als Versammlungs- und Gerichtsstätte genannt. Im Volksmund nennt man Höver auch noch Querhöver. Die Bezeichnung „Quer“ geht wahrscheinlich auf das gotische Wort „Quairum“, hochdeutsch „quirn“ zurück. Mit dem Begriff „quirn“ bezeichnete man eine aus zwei Mahlsteinen bestehende Handmühle: Die Überlieferung behauptet, dass früher einmal eine derartige Mühle am Bilmer Weg gestanden haben soll. Im alten Mühlenverzeichnis ist allerdings keine Mühle im höverschen auffindbar. So kann es auch sein, dass dies „quer“ von Eiche, im lateinischen „Querus“, abgeleitet wurde.
Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert gab es kaum Veränderungen in der sozialen und kulturellen Entwicklung des Dorfes. Die großen Waldflächen waren zum teil durch Überweidung und Kahlschläge verschwunden. Strukturelle Veränderungen in der bäuerlichen Landnutzung durch Weidewirtschaft und Getreidebau gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als durch Teilung der gemeinschaftlich genutzten Waldflächen und die Verkopplung im Jahr 1854 die Grundlage für eine ertragreiche Landwirtschaft entstand. Höver war zu dieser Zeit ein reines Bauerndorf mit Menschen. Deren Lebensordnung sich auf Familie, Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft, vor allem aber auf den bäuerlichen Lebensberuf gründete.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich das stille, abgeschiedene Dorf Höver zu wandeln. Die moderne Industrie brach in die sich in jahrhunderten in ihren Grundzügen kaum veränderte wirtschaftliche, soziale und kulturelle Einheit des Dorfes ein. Der Wandel begann schon am Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Straßenbahnlinie Hannover-Höver-Sehnde-Haimar, die aus Höver einen Vorposten am Rande der Großstadt Hannover machte. Mit Errichtung dieser Verkehrslinie kam auch die Elektrizität ins Dorf und in die Bauernhäuser. Entscheidend für die Industrialisierung des Dorfes war jedoch die Errichtung des Zementwerkes Alemania durch den Lehrter Kommerzienrat Hermann Manske im Jahr 1907. Der oberflächennahe hochwertige Kalkmergel war entscheidend für den Strukturwandel von Bevölkerung und Wirtschaft und die Entwicklung vom Bauerndorf zur Industriegemeinde. Von diesem Zeitpunkt an änderten sich nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die Bevölkerungszahl und deren Struktur. Ingenieure, Techniker, Handwerker, Arbeiter und Angestellte zogen in das Dorf eine. Zählte der Ort im Jahr 1784 noch 218 Einwohner, so waren es 1930 bereits 572. Im Jahr 1993 lebten 1453 Bürger in Höver.

Straßenbahn in Höver

Die Straßenbahn vor dem Geschäft von Wilhelm Grefe - Postkarte um 1900

Im Jahr 1667 hatte Höver 28 freie Hofbesitzer. Heute werden noch 4 Höfe bewirtschaftet. Mit rund 120 ha. Grundbesitz gehört das Zementwerk zu den größten Grundeigentümer Hövers.
Als sich der Zuzug der Industriearbeiter ständig erhöhte, war die Verwaltung der Fabrik darauf bedacht, sich einen zuverlässigen Arbeiterstamm zu schaffen, indem sie ihnen ermöglichte, sich Eigentum in Form von Siedlungshäusern zu bauen. So entstand in den 30ger Jahren eine ganze Siedlung. Das Zementwerk hat durch neue Produktionsanlagen den Betrieb Anfang der 70er Jahre erweitert, Dieses erforderte Investitionen in Höhe von ca. 110 Millionen DM. Die Tagesleistung beträgt nunmehr 3000 Tonnen Klinker, der Zementabsatz liegt erstmals über 500.000 t.
Die Industrialisierung wirkte sich auch vorteilhaft auf die Gemeindefinanzen aus. Ohne die Zementindustrie hätte Höver auf viele Vorteile verzichten müssen und wäre ein Bauerndorf geblieben. Es hat aber auch seinen Tribut leisten müssen. Es war lange Zeit das graue Dorf und gab seine eigentliche Dorfseele auf, andererseits hat es einen großen Aufstieg und Aufschwung erlangt.

Nun wollen wir noch einmal zurückgehen. Als im Jahr 1882, Höver zählte zu dieser Zeit 306 Einwohner, die alte Schule neben der Kapelle nicht mehr ausreichte, wurde ein neues Schulgebäude errichtet. In diesem Gebäude befinden sich heute die Post, ein Kosmetiksalon, ein Kiosk und Wohnungen. Im Jahr 1922 wurde die Volksschule gebaut, die auch heute noch mit dem 1958/59 erstellten Neubau als Grundschule genutzt wird. Hier werden die Kinder aus Höver und Bilm in den ersten vier Schuljahren unterrichtet.
Am 24. und 15. März 1945 wurde Höver durch Bombenangriffe schwer getroffen. Etwa 190 Bomben fielen auf unsere Gemarkung, 32 davon ins Dorfinnere. Drei Siedlungshäuser erhielten Volltreffer und es gab auch einige Tote zu beklagen. Auch im alten Dorf, wurde viel zerstört. Fast alle Dächer wurden abgedeckt und die Fenster waren lange Zeit mit Pappe oder Brettern zugenagelt, da es nichts zu kaufen gab. Am 8. April 1945 wurde dann noch die Brücke über den Mittellandkanal gesprengt. Bis zum Wiederaufbau der Brücke im Jahr 1957 konnten die Bauern das Ackerland, das hinter dem Kanal lag, nur über einen langen Umweg über die Hindenburgschleuse in Anderten erreichen.
Im Jahr 1947 bekam Höver eine Wasserleitung und im Jahre 1967 wurde die Kläranlage gebaut. Das waren die Vorbedingungen für den Bau des Lehrschwimmbeckens im gleichen Jahr. Auch die Sporthalle wurde in 1967 gebaut. Das Lehrschwimmbecken hat eine Größe von 8 x 12,5 Metern mit einem höhenverstellbaren Boden und dient insbesondre dem Schwimmunterricht der Schulen der Gemeinde Sehnde. Außerhalb der Freibadesaison kann es auch von der Öffentlichkeit genutzt werden.
Im Jahre 1974 kam die Gebietsreform und seitdem sind wir ein Ortsteil der Gemeinde Sehnde. Im Jahre 1975 wurde dann die ehemalige Gemeindeverwaltung zum Kindergarten ausgebaut. Der Kindergarten hat in diesem Jahr (1993) einen Anbau bekommen, da der Platz nicht mehr ausreichte. Die Schützen bauten in Eigeninitiative ein Schützenheim, das 1986 eingeweiht werden konnte.

Neben dem Zementwerk gibt es inzwischen einen Betrieb für die Herstellung und Anlieferung von Frischbeton. Die Gemeinde plant weitere Industrie- und Gewerbeansiedlungen in unserer Gemarkung, insbesondere auf den Flächen zwischen Zementwerk und Autobahn. Aber auch für das an die Anderter Feldmark angrenzende Gebiet hinter der Autobahn gibt es bereits Pläne. In unserem Dorf haben wir einige Handwerksbetriebe. Die Firma Bartels betreibt eine Waffelfabrik und beschäftigt etwa 20 Personen. Es gibt zwei Tischlereien, einen Schlosserbetrieb, einen Bauunternehmer, einen Gas- und Wasserinstallationsbetrieb, einen Fuhrunternehmer, einen Friseur- und einen Kosmetiksalon.
Einkaufen kann man in einem Edekageschäft, in einer Schlachterei und in einer Bäckerfiliale. Außerdem gibt es bei uns noch ein Hotel mit Gastwirtschaft und zwei weitere Gastwirtschaften mit sehr guter Küche.
Das kulturelle Leben im Ort wird insbesondere durch die Vereine und Organisationen geprägt. Zu nennen ist hier insbesondere der Sportverein mit verschiedenen Sparten, der Schützenverein, die Freiwillige Feuerwehr, der Siedlerbund, das Deutsche Rote Kreuz und seit einiger Zeit auch wieder ein Gesangverein.

Die Geschichte geht weiter

Auch nach dem Jahr 1993 gab es Veränderungen im Dorf.
Durch die Ansiedlung neuer Betriebe und durch neue Baugebiete stieg die Zahl der Einwohner auf über 1800.
Allerdings gab es auch bei einigen Firmen Änderungen oder sogar Betriebsaufgaben. So gibt es in Höver keinen Lebensmittelmarkt mehr und keine Schlachterei. Auch das Postamt wurde geschlossen. Den Strukturwandel zur Industriegemeinde kann man auch daran erkennen, dass es nur noch drei landwirtschaftliche Betriebe gibt.