Chronik von Höver, Vorspann

  Kapitel 1.1. Zur Entstehung der Chronik

Chroniken stellen heute ein wertvolles und lebendiges Zeugnis für die jeweilige Geschichte eines Ortes dar. In ihnen finden sich wichtige Informationen zu regionalgeschichtlichen Ereignissen, zur Entwicklung der Stadt oder Gemeinde und zum Alltag ihrer Bewohner, aber auch zu Sitten und Gebräuchen, die in keinem Geschichtsbuch zu finden sind. Sie dienen darüber hinaus auch als Mittel der Identifikation der Bewohner mit ihrem Heimatort.
Bereits vor einigen Jahrhunderten wurden zuerst von den Dorfgeistlichen, ab dem 19. Jahrhundert vor allem aber von den Lehrern alle relevanten Ereignisse, die den Ort betrafen, niedergeschrieben. Diese aus heutiger Sicht oft banalen Ereignisse bieten eine wertvolle Informationsquelle über die Lebensverhältnisse der damals lebenden Menschen.
In Höver hatte insbesondere der rührige Lehrer Friedrich Michelmann über mehrere Jahrzehnte in der Schulchronik akribisch sämtliche Ereignisse, die Höver betrafen, niedergeschrieben. Dank seines Engagements und dem seines Nachfolgers Kurt Fenske gewinnt man aus diesen Texten einen lebendigen Eindruck von dem Höver der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Solange es Menschen gibt, die sich an frühere Zeiten erinnern können, bleiben Geschichten und Bräuche eines Ortes lebendig. Doch wenn diese Generation gestorben ist, geht mit ihr auch das Wissen über die regionale Vergangenheit verloren.
Diese Erkenntnis ließ in Höver bereits vor einigen Jahren den Wunsch aufkommen, eine Chronik gegen das drohende „Vergessen“ zu erstellen.

Schon 1979 regten Horst Neuman und andere Mitglieder des Ortsrates Höver an, die Geschichte des Dorfes aufzuschreiben.

Welche Möglichkeiten hatte man?

• Margarete Werner verfasste 1970 das Buch „Die Register der Amtsvogtei Ilten 1492 – 1752“ mit zahlreichen Daten über das Große Freie, die Hofstellen der einzelnen Orte und deren Bewohner sowie Aufstellungen wie die Kontributionskataster, Musterungsrollen und Brandversicherungskataster.

• Verschiedene andere Autoren brachten in ihren Veröffentlichungen über das Große Freie auch Fakten über den Ort Höver.

• Im Archiv der Stadt Sehnde, das im ehemaligen Rathaus von Ilten beheimatet ist, konnten die Schulchronik sowie Protokolle der Gemeindeversammlungen ab 1857 eingesehen werden.

• Im Kirchenbüro in Ilten lagern die Kirchenbücher mit Geburts- bzw. Hochzeitsdaten sowie weiteren Angaben über Taufen und Sterbefälle, auch von Bürgerinnen und Bürgern aus Höver.

• Kurt Fenske, Hauptlehrer in Höver von 1954 bis 1967, hat all diese historischen Werke studiert und im damaligen „Burgdorfer Kreisblatt“ zahlreiche Ereignisse aus der Geschichte Hövers veröffentlicht.

• Ulrich Drews sammelte, zusammen mit seiner Mutter Lisa Drews, sämtliche Veröffentlichungen in der hiesigen Presse ab Mitte der fünfziger Jahre sowie andere den Ort Höver betreffende Schriftstücke und archivierte diese. Er hat in den Archiven gestöbert, viele höversche Familien besucht und wichtige Schriftstücke, Bilder und auch Anekdoten zusammengetragen.

• In der Heimatstube, die 1985 eingerichtet wurde, sind Dokumente und Bilder zu sehen, die neben verschiedenen Gebrauchsgegenständen Auskunft über das Leben der Dorfbewohner geben.

Lehrer Fenske und Michelmann

Gute Voraussetzungen also, um eine Dorfchronik zu verfassen.

Aber das Vorhaben konnte zunächst aus verschiedenen Gründen nicht in die Realität umgesetzt werden.
Im Juli 2008 lud der damalige Ortsbürgermeister Klaus Papenberg zahlreiche Bürgerinnen und Bürger von Höver ein, um zu besprechen, wie eine Chronik erstellt werden kann. Als Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde der Verein „Unser Höver“ als Gruppe im Heimatbund Niedersachen gegründet. Schon recht bald wurde der Kontakt zu dem Diplom-Historiker Hans-Dieter Lucas, der als Journalist tätig war und schon die Chronik von Ahlten geschrieben hatte, hergestellt. Leider teilte dann Herr Lucas im Frühjahr 2011 mit, dass er nach einer beruflichen Veränderung keine Möglichkeit sehe, seine Zusagen für die Erstellung des Buches einzuhalten.

Nun musste man sich erneut auf die Suche nach einem Buchautor machen und konnte schließlich im Herbst 2011 Jörn Feustel für die Arbeit gewinnen. Jörn Feustel ist Dipl.-Ing. für Architektur und arbeitet als freier Mitarbeiter für „Reunion media“. Reunion media ist ein Büro für Bauforschung, virtuelle Rekonstruktion historischer Bauten sowie die Erstellung wissenschaftlicher multimedialer Filme und Präsentationen für Museen, Archäologie und Ausstellungen. Themen der Filme sind dabei die Darstellung historischer Architektur sowie des Alltagslebens der damaligen Bewohner. Zu Feustels Aufgabenbereich bei Reunion media zählen unter anderem die Recherche historischer Hintergründe, das Verfassen von Drehbüchern, Texten und Berichten, die Erstellung von Zeichnungen sowie die Rekonstruktion der historischen Gebäude und deren Umsetzung in virtuelle 3D-Modelle.

Aber so schnell und einfach, wie man sich das zunächst vorgestellt hatte, war das Verfassen der Chronik dann doch nicht. Ulrich Drews, der als Ortschronist bezeichnet werden darf, konnte aus privaten Gründen nicht so aktiv mitwirken wie erhofft. Das „Übersetzen“ der alten Schriften, in denen Gemeindeversammlungsprotokolle und andere archivierte Schriftstücke verfasst waren, brauchte Zeit. Immer wieder konnten aus der Schulchronik und anderen Quellen Bezüge zu den verschiedensten Kapiteln hergestellt werden, die man zu berücksichtigen hatte.

Da insbesondere die Geschehnisse vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg viele Fragen offen ließen, wurde der „Gesprächskreis Dorfgeschichte“ eingerichtet. Hier sollten Zeitzeugen Hinweise und Berichte geben, um auch diesen Zeitabschnitt in der Chronik entsprechend würdigen zu können. Folgende Themenbereiche wurden behandelt: „Die Jahre 1914 bis 1945“, „Bomben auf Höver“ und „Die 50er- und 60er-Jahre“. Die Gruppe traf sich sechsmal und konnte auch zu anderen Themenkreisen, wie zum Beispiel dem Vereinsleben in Höver, vieles beitragen.
Darüber hinaus traf sich monatlich die „Arbeitsgruppe Chronik“. Mitglieder des Beirats der Heimatbundgruppe und auch an der Historie interessierte Bürger trugen zu den verschiedenen Bereichen Daten und Fakten zusammen, die in dem Buch berücksichtigt werden konnten. Besonders zu den Bereichen „Die Entwicklung zum Industriestandort“, „Bäuerliche Vereinigungen“, „Vereine und Vereinigungen“ sowie „Ehemalige Geschäfte und Betriebe in Höver“ war diese Mitarbeit erforderlich und führte letztendlich zu einer umfassenden Darstellung dieser Themenkreise.

Nun liegt die Chronik für Höver vor. Das Buch soll die Entwicklung Hövers von einem Bauerndorf zu einem Industriestandort wiedergeben und dabei auf die Besonderheiten des Dorflebens in Höver eingehen.

Der Anspruch, eine wissenschaftlich umfassende Arbeit vorzulegen, wird nicht gestellt. Vielmehr sollen geologische und geschichtliche Entwicklungen, soweit sie für die Region um Höver bedeutsam sind, angerissen werden. Insbesondere soll dem Leser Gelegenheit gegeben werden, die Entwicklung des Ortes Höver seit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung nachzuvollziehen.
Allen, die an der Entstehung des Buches mitgewirkt haben, gebührt ein aufrichtiger Dank. Das trifft auch auf die Vorstandsmitglieder von „Unser Höver“ zu, von denen Manfred Holaschke den Großteil der Arbeiten übernommen hat. Ein ganz besonderer Dank gilt Torsten Meier und Reimund Wohlgemuth, die für die Korrektur und das Lektorat verantwortlich waren sowie Dietrich Puhl, der die technische Herstellung begleitete. Viele Höveraner haben aktiv mitgewirkt, freimütig und vertrauensvoll persönliche Informationen und Familienfotos zur Verfügung gestellt. Auch dafür ist ihnen zu danken.

Natürlich können nicht alle wichtigen Ereignisse und Daten dargestellt werden. Die Geschichte der verschiedenen Höfe ist so umfassend, dass es nicht möglich erscheint, diese in der vorliegenden Chronik in allen Einzelheiten aufzunehmen. In der Schulchronik und in den Protokollen der Versammlungen der Gemeindevertreter sind die verschiedensten Begebenheiten festgehalten. Diese sind zwar für den Ort Höver wichtig, müssen aber ergänzenden Veröffentlichungen vorbehalten bleiben.
Das Autorenteam kann nicht garantieren, dass bei der Entstehung der Chronik keine Fehler unterlaufen sind. Sicher wird es so sein, dass es die eine oder andere Stimme geben wird, die zu bestimmten Bereichen eine andere Auffassung vertritt, oder dass höversche Bürger bisher nicht bekanntes Material vorliegen haben. Es ist natürlich auch möglich, dass es bei der Weitergabe von Erzählungen und Anekdoten zu missverständlichen Formulierungen gekommen ist.

Sollten insoweit Ungereimtheiten auftreten, bitten wir schon jetzt um Nachsicht.

Trotz allem hofft der Heimatverein, mit dieser Chronik dem Dorf Höver ein Stückchen Identität zu erhalten.

Ernst Köhler und Jörn Feustel

         Ernst Köhler, Unser Höver                                                Jörn Feustel, Verfasser